Das Techno-Festival “Nature one” ist nicht verdächtig, eine Bildungsveranstaltung zu sein. Was aber acht Burschen aus dem Schwabenland von dort an Wissen mitbrachten, ist bemerkenswert.
“Raver” nennen sich die begeisterten Anhänger elektronischer Musik, “Rave” aus dem Englischen für rasen, schwärmen, toben, fantasieren, ist die Bezeichnung für eine große Party-Veranstaltung mit dieser rhytmusdominierten Musik. Eine der größten Veranstaltungen ist in Deutschland die seit 1995 stattfindende “Nature One” in der ehemaligen Atomraketen-Abschussbasis Pydna im Hunsrück bei Kastellaun. Und genau dorthin machten sich am vergangenen Wochenende acht junge Burschen aus Bönnigheim, Erligheim und Löchgau auf. Ziel und Zweck der 180 Kilometer langen Reise: “Party, Party, Party mit Abtanzen bis zum Abwinken.”
Das Vermehren von persönlichem Wissen stand nicht auf dem Reiseplan. Doch da hatten die acht Schwabenjungs den Plan ohne die Organisatoren von “Nature one” gemacht. Denn was diese ihren Besuchern in ihrem 32-seitigen Programmheft – pardon, dem Party-Guide – vermittelten, geht weit über die Vorstellung der Gruppen und DJ’s, der einzelnen Bühnenacts und ein wenig Fanartikel-Verkauf hinaus. Zwei Weißauf Rot gedruckte Seiten geben Hinweise auf Alkohol und Drogen. Unter der Überschrift “Achtung Polizeikontrollen” wird im Party-Guide zwar nicht der Verzicht auf diese Rauschmittel propagiert, aber immerhin dazu aufgefordert, zugedröhnt nicht Auto zu fahren. “Bei allem Party-Spaß bei ,Nature on’ liegt uns eine Sache sehr am Herzen: Bitte keinen Alkohol und keine Drogen am Steuer”, betonen die Veranstalter und starten eine Bildungsoffensive der besonderen Art unter dem Titel “Wirkungsdauer und Abbauzeiten”.
So gewinnt der geneigte Leser zunächst einmal einen Überblick über die gängigsten Drogen in der Raver-Szene: Alkohol, Marihuana/Cannabis (THC) und harte Drogen wie Ecstasy (MDMA), Speed, Kokain und LSD. Zum Allgemeinwissen gehört sicherlich, dass nach drei Bier (á 0,3 Liter) die 0,5 Promille-Grenze schon überschritten ist. Zum Herrschaftswissen gehört dann allerdings: Marihuana/Cannabis hat eine Wirkungsdauer von mindestes acht Stunden und ist im Urin bis zu drei Monate, im Blut bis zu drei Wochen nachweisbar.
Auch Ecstasy wirkt acht Stunden und länger, kann im Urin allerdings nur zwei bis vier Tage nachgewiesen werden, ebenso lang wie Speed, das bis zu sechs Stunden wirkt (Methamphetamin sogar bis zu 30 Stunden). Nur bis zu zwei Stunden dröhnt Kokain, während LSD immerhin mindestens zwölf Stunden das Hirn vernebelt.
Abhängigkeiten scheinen bei der Bildungsoffensive von “Nature one” keine Bedeutung zu haben – aber dies gehört bei den Ravern hoffentlich schon zur Allgemeinbildung.
Dafür spielt der rechtliche Aspekt eine erhebliche Rolle bei der Wissensvermittlung:Fällt ein Test auf illegale Drogen positiv aus: Geldbuße von 250 bis 750 Euro und ein bis drei Monate Fahrverbot und vier Punkte. Bei Anzeichen von Fahrunsicherheit oder bei einem Unfall liegt eine Straftat vor: sieben Punkte und Geld- oder Freiheitsstrafe bis fünf Jahre sowie Führerscheinentzug von sechs Monaten, bis fünf Jahre Sperrfrist.
Endlich weiß man mal Bescheid.
