Der europäische Amtsschimmel, also die EU-Richtline, wonach Kunstobjekte an Kreisverkehren als Gefahr eingestuft werden, wird beim Löchgauer Kreisel an die Leine genommen.
Die EU-Richtlinie „über ein Sicherheitsmanagement für die Straßenverkehrsinfrastruktur“ besagt unter anderem, dass „feststehende Hindernisse“ an potenziellen Unfallschwerpunkten nicht erlaubt sind. Kreisverkehre, wie in Pattonville, bei Freiberg, in Brackenheim-Botenheim und in Löchgau, die außerorts entstanden sind, und mit allerei hübschen Skulpturen geschmückt sind, wären danach solche möglichen Gefahrenpunkte.
Die Regierungspräsidien (RP) haben in Baden-Württemberg 637 Kreisverkehre überprüft. Ergebnis: 57 weisen ein hohes, 87 ein mittleres und 496 ein geringes Risiko auf, nachdem das baden-württembergische Verkehrsministerium die EU-Richtlinie mit Erlass vom 15. November 2011 landesweit umgesetzt hat.
Bereits am 16. Januar hat der Grünen-Landtagsabgeordnete Daniel Renkonen die EU-Richtline zur Sicherheit in Kreisverkehren bemängelt und beim Verkehrsminister und Parteifreund Winfried Hermann nachgefragt, mit dem Ergebnis, dass vorerst kein Kreisel im Land zurück gebaut werden müsse. Das betreffe auch mögliche Anlagen im Kreis Ludwigsburg. „Erst nach einer vertieften Sicherheitsprüfung können Aussagen zum weiteren Vorgehen gemacht werden“, wurde dem Grünen-Politiker mitgeteilt.
Diese „vertiefte Sicherheitsprüfung“ obliegt nun den Landratsämtern. Die Ausführungsbestimmungen zur Überprüfung der Sicherheit von Kreisverkehren werden vom Regierungspräsidium in der kommenden Woche verschickt, wie Stephanie Mayer von der Pressestelle in der Landkreisverwaltung gestern auf Nachfrage erklärte: „Erst, wenn wir diese kennen, können wir mit den Prüfungen der Kreisverkehre beginnen.“ Renkonen ging am gestrigen Freitag schon einen Schritt weiter: „Es wird kein Kreisverkehr oder eine Kreiselkunst zurück gebaut. Das gilt auch für Löchgau.“ Bei der „vertieften Sicherheitsprüfung“ gehe es darum, festzustellen, wie gefährlich ein Kreisverkehr für Autofahrer sei. „Man nehme das Beispiel, es bekommt jemand einen Herzinfarkt am Steuer und kann seinen Wagen nicht mehr lenken, und er fährt mehr oder minder genau auf dieses Kunstwerk zu, und wird dabei durch spitze Gegenstände tödlich verletzt“, erläuterte der Grünen-Landtagsabgeordnet die Überlegungen der EU-Richtlinie.
Bürgermeister Werner Möhrer wurde wegen des Löchgauer Kreisels mit seinem schön bepflanzten Erdhügel und der weit sichtbaren, imposanten Nagelskulptur von öffentlicher Seite noch nicht angesprochen, er verfolgte die bisherige Diskussion nur in den Medien. Er hat aber eine eindeutige Meinung dazu: „Wir werden dann in Löchgau hören, wie in Suttgart der Amtsschimmel wiehert.“
Den Löchgauer Kreisel gibt es seit 1999. In diesen über zwölf Jahren gab es dort drei Unfälle: Ein Autofahrer landete unter Alkoholeinfluss in der angrenzende Wiese, bei den beiden anderen Unfällen wurde die Vorfahrt der im Kreisverkehr Fahrenden missachtet. „Wegen dieses Rondells und des Aufbaus ist noch niemand zu Schaden gekommen“, so Möhrer. Seit über einem Vierteljahr gebe es nun diese Diskussion, vom Verkehrsministerium oder vom Regierungspräsidium höre man aber nichts, sagt der Löchgauer Bürgermeister: „Vermutlich wird in Stuttgart einer sitzen und überlegen: Was mache ich denn jetzt, denn wenn ich das erste Schreiben herausgebe, bekomme ich Ärger ohne Ende.“
Letztendlich muss man der Einschätzung Renkonens beipflichten, für den die die EU-Richtlinie bezüglich der Kreisverkehrsanlagen nicht nachvollziehbar ist. Sie sei vor allem eine „Beschäftigungstherapie für die Straßenverkehrsbehörden“. Das Sicherheitsaudit solle mögliche Unfallfolgen vorbeugen, in dem achtlose Autofahrer beispielsweise nicht gegen massive Kunstwerke oder Felsen prallen. „Ein Kreisel ist doch gerade dazu da, den Verkehrsfluss eines Fahrzeugs abzubremsen. Wer immer noch zu schnell fährt, tut das auf eigenes Risiko“, bekräftigte der Parlamentarier.
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