Es wird eine spannende Bürgermeisterwahl am 5. Februar in Freudental. Nach der offiziellen Bewerbervorstellung am Freitagabend vor rund 300 Zuhörern in der Schönenberghalle gibt es keinen Favoriten für die Nachfolge von Dorothea Bachmann: Traichel, Breitenbach und Fleig auf Augenhöhe – Raisch Außenseiter.
Am Freitagabend wollten sich in der Schönenberghalle 300 Wähler nochmals ein Bild von den Kandidaten und ihrem Angebot als künftiger Freudentaler Bürgermeister machen. Ein klarer Favorit zeichnete sich dabei nicht ab.
Während der gebürtige Freudentaler, der 49-jährige Achim Traichel mit seiner Lebens- und Berufserfahrung sowie seiner Persönlichkeit punkten wollte, warf der Wahlfreudentaler Lothar Breitenbach (53 Jahre) sein ehrenamtliches (Gemeinderats)-Engagement sowie seine beruflich bedingten Einblicke in andere Kommunen in die Waagschale. Beide zeichnete außerdem ein souveränes Auftreten am Rednerpult vor rund 300 Zuhörern aus.
In diesem Punkt hat der dritte Kandidat, der 39 Jahre alte Alexander Fleig, nach seinen Präsentationen bei dem BZ-Wahlforum und auch nach seinem Vortrag am Freitagabend Nachholbedarf: Nervös und einstudiert wirkte der Stadtkämmerer aus Großbottwar.
Als Kandidat, der nicht in der Gemeinde persönlich verwurzelt ist und vor allem mit seiner unbestrittenen fachlichen Kompetenz und seiner kommunalen Verwaltungserfahrung will er sich von seinen Mitbewerbern unterscheiden. Lediglich Außenseiterchancen wird indes Musikpädagoge Ulrich Raisch aus Stuttgart beim ersten Wahlgang am 5. Februar haben. Der 52-jährige, durchaus erfahren aus mehreren Bürgermeisterwahlen, betonte das erforderliche persönliche Engagement in einer Demokratie, will eine kulturelle, aber auch touristische Neuorientierung Freudentals und stellte sich eher global den kommunalpolitischen Fragen.
Ortskernsanierung mit barrierefreiem Zugang zum Rathaus, enger finanzieller Rahmen, Stärkung des ehrenamtlichen Engagements in Freudental oder Lebensmittelmarkt, in diesem Themenspektrum unterscheiden sich die Bewerber nur in Nuancen. Während Traichel und Fleig die Möglichkeiten einen Lebensmittelmarkt im Alleenfeld anzusiedeln als umsetzbar prognostizieren, sieht Gemeinderat Breitenbach „die Chancen einen Discounter zu finden als nicht sehr groß“. Die Grundstücke seien noch nicht in Gemeindehand und obwohl es ein guter Standort sei, sei es noch nicht gelungen einen Betreiber zu finden. Breitenbach will das vorhandene Einkaufspotenzial unterstützen und hofft, dass es möglich ist andere dazu zu bewegen, Läden im Ortskern zu eröffnen. Für Raisch gibt es Alternativen: ein Bonus- oder Capmarkt, der soziale Komponenten habe, oder dass die Freudentaler dies selbst anpacken und einen Verein im Rahmen einer Zukunftswerkstatt gründen.
Das Thema Schloss spielt für Fleig in Zusammenhang mit seiner Vision einen „Treffpunkt zum Verweilen in der Ortsmitte“ eine wichtige Rolle. Ebenso will er wie die anderen Kandidaten mit dem Schlosseigentümer ins Gespräch kommen und „einen Neubeginn ermöglichen“. Seit dem Auszug des Kreisaltenheim 2004 ist für Traichel das Grävenitz’sche Schloss ein „Fremdkörper“ im Ort, er will auf den Besitzer zugehen und Konflikte ausräumen. Dies steht auch auf der Agenda von Breitenbach: „Wir können und sollen den Schlosseigentümer darin unterstützen wieder Leben ins Schloss zu bringen.“ Raisch kritisierte, es sei ein Sanierungs- und Nutzungskonzept noch nicht ersichtlich.
Lediglich drei Fragen beziehungsweise Anmerkungen kamen aus dem Publikum. Walter Diener bemängelte, dass Ulrich Raisch nichts über seine persönliche Situation verriet und stellte ihm die süffisante Frage, ob er denn nicht überqualifiziert sei. Das Projekt von Raisch, „Freudental aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken“, empfand Diener als „Beleidigung für den Gemeinderat und die Bürger“ .
Gemeinderat und Fraktionskollege von Lothar Breitenbach in der Bürgergruppe, Andreas Büdenbender, konfrontierte die vier Bewerber mit eine hypothetischen Erbschaft aus Israel aus der das Pädagogisch-Kulturelle Centrum (PKC) und die Gemeinde jeweils 250 000 Euro erhielten und wollte wissen, wie eine solche Summe verwenden würde.
Traichel wolle zunächst prüfen, ob die Gemeinde einen solche Erbschaft annehmen dürfe und danach gemeinsam mit Gemeinderat und Bürger über deren Verwendung beraten. Für den Anbau an den Kindergarten Rosenweg, für Investitionen im Rahmen des neu auszugestaltenden Stromkonzessionsvertrags und für eine Tafel für den Spender würde Breitenbach die Summe verwenden und Fleig würde das Geld auf Projekte verteilen, an denen möglichst viele profitieren. Raisch hätte hingegen einen anderen Plan: Reserven schaffen für einen möglichen späteren Erwerb des Schlosses.
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