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Friedrich wäre begeistert

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Mit einer überraschenden Umsetzung von “Kabale und Liebe”, dem bürgerlichen Trauerspiel von Friedrich Schiller aus dem 18. Jahrhundert, überzeugte die Theater-AG von Gymnasium und Realschule in Bönnigheim  mit zwei Aufführungen.

 

 

 


Für die gelungene Schulaufführung eines Theaterklassikers braucht man eigentlich nicht viel: einige unterschiedliche Stühle, zwei Laptops, einen Beamer, ein schwarzes Tuch als Bühnenhintergrund. Doch um mit der Inszenierung das Publikum zu begeistern, dazu braucht es mehr: Engagierte und begeisterte Akteure auf und hinter der Bühne – und eine pfiffige Idee. Dann wird “Kabale und Liebe” von Friedrich Schiller überraschend modern, dann kann das bürgerliche Trauerspiel aus dem 18. Jahrhundert, in dem die leidenschaftliche Liebe der bürgerlichen Musikertochter Luise Miller (Luisa Böer) zum Adelssohn Ferdinand von Walter (Vera Schubert) durch niederträchtige Intrigen zerstört wird, auch die heutige Jugend – und nicht nur die – ansprechen und berühren.

Mit dem Konflikt zwischen bürgerlichem Standesstolz und adeligem Standesdünkel, der Schillers Klassiker zugrunde liegt, und der herrschenden Gewalt der Obrigkeit können Jugendlichen der Generation Internet wohl wenig anfangen. “Wir wollten in unsere Inszenierung übertragen, was heute die Gesellschaft im Hintergrund beeinflusst”, erklärten Regina Reitermayer und Regine Winkle, beide Lehrerinnen am Alfred-Amann-Gymnasium (AAG) und Leiterinnen der gemeinsamen Theater-AG von AAG und Sophie-la-Roche-Realschule. Beide hatten zu Probenbeginn im September die vage Idee, Facebook mit einzubauen. “Dann hat es sich schnell entwickelt”, so die beiden. Erleichtert hat die Idee, die Briefwechsel und damit den Handlungstrang via Facebook zu inszenieren, die neu gegründete Technik-AG des AAGs. Diese hat bei beiden Aufführungen am Donnerstag- und am Freitagabend mit exakten Einsätzen von Beamer-Projektion und Text- und Musikeinblendungen zum Gelingen von “Kabale und Liebe” beigetragen. Dass der elektronische Schriftverkehr auf eine verknitterte, weiße Leinwand projektziert wurde und damit für die Zuschauer der Eindruck entstand, man wolle damit zerknittertes Briefpapiers symbolisieren, stellte sich im Nachhinein als ungewollt heraus. Es sei toll, wenn das Publikum dies als bewusste Requiste angenommen habe, sagte Regine Winkle mit einem vielsagenden Lächeln.

Apropos Musik und damit zum einzigen Kritikpunkt: Die unterschiedlichen Sprachausprägungen von Adel und Bürgertum – bekanntermaßen stellt Schiller der unnatürlichen Sprache des Hofes die direkte, oft derbe Sprache des Ehepaares Miller gegenüber – sind ein fundamentales Gestaltungsmerkmal des 1784 in Frankfurt uraufgeführten Dramas. Da stellt sich durchaus die Frage, warum für die musikalischen Übergänge und emotionalen Verstärkungen einzelner Szenen englische Songs aus der Konserve verwendet werden mussten.

Bei den ersten Auftritten des Abends war es durchaus verwirrend, dass alle Rollen mit jungen Damen besetzt waren. Dies war jedoch kein dramatisches Stilmittel, sondern einfach der Tatsache geschuldet, dass der Theater-AG die Männer fehlen. “Wir konnen uns das auch nicht erklären”, merkte Regina Reitermayer dazu an. Der Inszenierung schadet dies jedoch keineswegs.

Die beiden Lehrerinnen lobten das große Engagement der Mitwirkenden, zumal acht der zwölf Darstellerinnen trotz Vorbereitungen auf das Abitur sich mit viel Einsatz in die intensiven Probearbeiten eingebracht hatten. Winkle: “Die Schule ist in dieser Zeit mehr geworden als ein Lernort.”

Bemerkenswert ist allemal das schauspielerische Talent aller Akteure, so dass sich das Hervorheben Einzelner verbietet. Dennoch, mit welcher Intensität und Emotionalität Luisa Böer die achtminütige Sterbeszene der vergifteten Luise Miller auf der Bühne darstellte, ohne dabei ins Kitschige abzugleiten – was leicht möglich gewesen wäre -, dies verdient eine besondere Erwähnung. Die meisten Mitglieder der Theater-AG, von denen viele sich seit dem fünften Schuljahr der Bühnenkunst verschrieben haben, verlassen die Schule.

Ein Umbruch der Theater-AG steht damit an. Um so schöner, dass mit “Kabale und Liebe” nochmals großes Schultheater gelungen ist.

Info: Die beiden Aufführungen der Theater-AG waren der Auftakt zu den Kulturwochen des AAG. Am 8. Februar um 19 Uhr gibt es “Poetry Slam vs. BigBand” in der Turn- und Festhalle, am 10. Februar einen Talentabend in der Schulaula.

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