Es war ein besonderes Ereignis am Sonntagabend in Bönnigheim. Ein Mönch schaffte es, dass 750 Menschen in die Cyriakuskirche gingen: Benediktinerpater Anselm Grün referierte über “Lebenskunst”.
Er hat in Deutschland eine große Fangemeinde, die zu seinen Vorträgen pilgert. Er faszinierte am Sonntagabend viele der 750 Zuhörer in der Cyriakuskirche – und hat sicherlich weitere Fans gewonnen. Dabei gibt sich der Benediktinermönch Anselm Grün zurückhaltend, ja bescheiden, als er kurz vor 19.30 Uhr in der Bönnigheimer Stadtkirche eintrifft und in sich gekehrt auf dem für ihn reservierten Stuhl unter dem um das Jahr 1400 errichteten Lettner Platz nimmt.
Doch bevor die interessierten Gäste am Sonntagabend die Inspirationen des Ordensmannes zum Thema “Lebenskunst – gut mit sich selbst umgehen” hören konnten, hatten der evangelische Stadtpfarrer Eyub Aksoy, Kirchengemeinderatsvorsitzender Ulrich Bechtel und Organist Joachim Schäfer mit ihrem über 20-köpfigen Helferteam allerhand zu organisieren. Da wurden die Sitzplätze in der Stadtkirche genau gezählt und zusätzliche Stühle aufgestellt, die Kartenkontrolle organisiert und nach Veranstaltungsbeginn die Fluchttüren geöffnet, Aktive der Freiwilligen Feuerwehr und des DRK-Ortsverbands waren vor Ort, um für die Sicherheit der 750 Zuhörer zu sorgen. 800 Taizé-Kerzen lagen bereit, so dass jeder Besucher ein symbolisches Licht mit nach Hause nehmen konnte, und Kirchengemeinderatsvorsitzender Bechtel übernahm die Aufgabe, die in großer Zahl erschienen Honoratioren der Stadt an ihren Platz zu geleiten.
Mit einem Strahlen in den Augen steht Pater Anselm Grün auf der Kanzel, nimmt schon nach den ersten Sätzen die Zuhörer für sich ein. Der Mann mit lichtem grauem schulterlangem Haar und mächtigem Bart spricht vom “gelingenden Leben” und empfiehlt, sich nicht durch überfordernde Ansprüche an sich selbst zu zerstören, sondern jeder solle “gut und barmherzig mit sich selbst umgehen”. Bemerkenswert unmissionarisch spannt der Kirchenmann einen Bogen zwischen Psychologie und biblischen Texten, die er mit seiner klaren, einfachen und verständlichen Sprache auf heutige Bedürfnisse überträgt. Er will die Augen öffnen und gibt zu bedenken, “Menschen müssen nicht nur fromm sein”, denn dies sei oft eine Flucht vor dem eigenen Leben. “Demut ist der richtige Weg”, so Pater Anselm Grün und “nicht alles was fromm ist, ist gesundes Leben”.
Man spürt, dass er natürlich im Glauben tief verwurzelt ist, und dennoch die Bodenhaftung nicht verloren hat. In seiner Jugend stand er durch Mithilfe im väterlichen Elektrogeschäft früh mit beiden Beinen im Leben und hat als achtjähriger Wilhelm Grün für sich und seine sechs Geschwister Verantwortung übernommen. Bereits 1955, als Zehnjähriger, reifte in ihm der Wunsch, Benediktinermönch zu werden. Mit 19 besteht er das Abitur und tritt in die Abtei Münsterschwarzach ein. Nach dem Studium der Theologie und zwei Jahren Betriebswirtschaftslehre wird er Cellerar, was der Funktion des Geschäftsführers entspricht. Seit 1978 hat er weit über 100 Bücher zu spirituellen Themen, zur Lebenshilfe und zu Führungsthemen geschrieben. Seine Kurse, die gerade auch von Managern besucht werden, sind über Monate hinaus ausgebucht.
Die spirituelle Tradition der Mönche ist für Grün durchaus auf die heutige Gesellschaft übertragbar. Dabei haben Rituale eine wichtige Funktion, denn diese führen dazu, “das eigene Leben zu leben und nicht gelebt zu werden”. Der Rhythmus der Natur spiegle sich im Kirchenjahr wieder, und sich darauf einzulassen bringe den Menschen einen gesunden Rhythmus, ist er sich sicher. Seinen Zuhörern gibt er mit auf den Weg: “Abschied nehmen von Illusionen, aufwachen zur Wirklichkeit und menschenfreundlich mit sich umgehen.”
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15. Mai 2009 um 20:37 Uhr
Super Post, macht immer Spass hier mitzulesen